Der Verkehr ist bundesweit das Sorgenkind in der Klimapolitik des Landes. Das gilt auch für den Verkehr in Frankfurt (und Umgebung). Die vorherige Stadtregierung hat sich 2021 dazu verpflichtet, „ihre Politik am Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2035 aus(zu)richten“. Auch die neue Stadtregierung formuliert – wenn auch in zeitlich unverbindlicher Form: „Das Ziel einer zeitnahen Klimaneutralität verfolgen wir daher konsequent.“
Wie aber stellen wir fest, ob sich Frankfurt auf dem richtigen Weg zur Klimaneutralität befindet und ob der Verkehr seinen verursachergerechten Anteil daran einnimmt?
Aufschluss darüber gibt die Klimabilanz der Stadt Frankfurt. Die letzte veröffentlichte Fassung stammt aus dem Jahr 2025, wobei die aktuellsten Bilanzzahlen des Berichts aus dem Jahr 2022 stammen. Der Bericht wurde vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) nach dem von ihm konzipierten, bundesweit anerkannten BISKO-Standard erstellt.
Der BISKO-Standard bedeutet, dass alle auf einem Stadtgebiet emittierten Treibhausgase in die Bilanzierung einbezogen werden (Territorialprinzip). Für den Verkehr beinhaltet das sämtliche Anteile des Binnenverkehrs innerhalb des Stadtgebietes sowie die anteilsmäßigen Treibhausgasemissionen imstadtgebietüberschreitenden Pendel- und Durchgangsverkehr. Im Verkehr auf den Bundesautobahnen (A 5, A 3, A 661, A 648 etc.) werden also alle Fahrzeuge einbezogen, während sie sich im Frankfurter Stadtgebiet bewegen, egal ob sie Ziel oder Quelle ihrer Fahrt im Stadtgebiet haben.
Die Treibhausgasemissionen aller Verursacher haben von 1990 bis 2022 in Frankfurt lediglich um 9 % abgenommen. Der – viel zu geringe – Rückgang der CO2e-Emissionen war vor allem auf die Verursacherbereiche Private Haushalte und Industrie zurückzuführen. Im Verkehr wurde demgegenüber 2022 11 % mehr CO2e ausgestoßen als 1990. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn der wachsenden Bevölkerungszahl Frankfurts in diesem Zeitraum Rechnung getragen wird, also die Pro-Kopf-Emissionen betrachtet werden. Auch hier trägt der Verkehr deutlich unterproportional zur Verminderung der Treibhausgase bei. Die Autoren der Bilanzstudie weisen darauf hin, dass die Zahlen im Verkehr noch die Einschränkungen der Corona-Maßnahmen widergeben und sich in den Folgejahren – also jetzt – deutlich erholen, also überproportional anwachsen dürften. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Verkehr bisher nichts oder nicht viel in Richtung Treibhausgasneutralität beigetragen hat.
Aus der vorhergehenden Klimabilanz des IFEU liegt uns eine weitergehende Auswertung zum Autobahnverkehr vor. 2021 war der Autobahnverkehr im Frankfurter Stadtgebiet für 52 % aller CO2e-Emissionen im bodenbezogenen Frankfurter Verkehr (also dieses Mal ohne Flughafen berechnet) verantwortlich. Hierbei ist eine leichte Steigerung dieses Anteils von 48 % 2013 auf 52 % zu beobachten. Der Autobahnverkehr hat also einen immer stärkeren Einfluss darauf, ob der Verkehr in der Frankfurter Klimabilanz überhaupt einen Beitrag zur Klimaneutralität leistet.
Wobei es für die Klimawirkung letztlich unerheblich ist, an welchem Ort das CO2ausgestoßen wird und wer für Abhilfemaßnahmen rechtlich und finanziell verantwortlich ist. Die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt müssen neben ihrer eigenen Verantwortung im Stadtverkehr darauf drängen, dass auch das Land Hessen und der Bund ernsthafte Maßnahmen ergreifen, um die Verkehrsemissionen auch auf den Autobahnen (im Frankfurter Stadtgebiet) zu senken. Das bedeutet, dass Autobahnverkehr auf andere, umweltfreundliche Verkehrsträger umgeleitet wird bzw. Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung greifen.

